Artikel Tags Ergonomie

Frauen sitzen anders

 

FACTS 3/2010

Der kleine Unterschied

Frauen sind anders – eine Binsenweisheit, doch wird diesem Umstand mitunter nur wenig Bedeutung beigemessen. So sitzen Frauen im Büro häufig auf Stühlen, die ihrer Gesundheit mehr schaden als nützen. Dem will Gernot Steifensand mit dem Bürostuhl speziell für die Frau ein Ende bereiten. FACTS fragte nach, was das Besondere am Lady Sitwell ist.

 

FACTS: Warum ein Bürostuhl speziell für Frauen? Gernot Steifensand: Der Körperbau der Frau unterscheidet sich grundlegend von dem der Männer. Dem wird allerdings nur wenig Beachtung geschenkt. Bürostühle werden in Deutschland nach der deutschen DIN 4551 hergestellt, die bestimmte Normen für die Sitzhöhe und -tiefe vorgibt, zum Beispiel eine Sitzhöhe von 42 bis 53 Zentimeter. Das reicht aber für Frauen oft nicht aus. Um dieser Benachteiligung entgegenzuwirken, wird in verschiedenen Fachkreisen über eine Frauen-Drehstuhl-Norm diskutiert, die präventiv stärker auf die „Geschlechtsunterschiede“ beim Sitzen eingehen soll.

FACTS: Mann und Frau unterscheiden sich anatomisch, das ist klar. Doch gibt es wirklich ein unterschiedliches „Sitzverhalten“? Gernot Steifensand: Frauen haben spezifische Sitzgewohnheiten, die sich von denen der Männer unterscheiden. Plakativ gesagt: Frauen sitzen aufrecht und Männer lümmeln. Die Dame im Büro sollte beim Sitzen am Arbeitsplatz unbedingt auf die biologischen und anatomischen Unterschiede des Körperbaus achten, um präventiv den „frauenspezifischen“ Problemen wie kalten Füßen und Bindegewebserkrankungen entgegenzuwirken. Viele „Frauen-Sitz-Krankheiten“ können durch einen geeigneten „Frauenstuhl“, der die orthopädischen und medizinischen Geschlechtsunterschiede berücksichtigt, vermieden werden.

FACTS: Welche durch zu langes und starres Sitzen verursachten Beschwerden sind denn typisch für Frauen? Gernot Steifensand: Frauen haben einen stärkeren Bewegungsdrang und häufiger kalte Füße als Männer und sie neigen aufgrund ihres Körperschwerpunkts zu einem Hohlkreuz. Somit sollten Rücken, Schultern und Nacken besonders geschützt und gestützt werden. Frauen leiden häufig unter Rückenschmerzen, Beschwerden in der Ischiasregion, wie Schmerzen, Taubheit und Muskelschwäche, Kopfschmerzen, Schmerzen im Kniegelenk oder unter dem Karpaltunnelsyndrom, starken Schmerzen in den Händen, die durch eingeklemmte Nerven in der Nackenregion verursacht werden.

FACTS: Und was kann frau dagegen tun? Gernot Steifensand: Auch ohne Medikamente oder chirurgische Maßnahmen eine ganze Menge. Natürlich kann viel Bewegung Linderung bringen, doch die Büroarbeit ist nun mal dadurch gekennzeichnet, dass sie in der Regel am Schreibtisch stattfindet. Auf dem Lady Sitwell trainiert die Frau durch permanente Bewegungsreize der Pending-Technik alle Muskeln, insbesondere die Rumpf-, Rücken-, Schulter und Armmuskulatur, die die Wirbelsäule stützen und entlasten. Bandscheiben und Gelenke werden durch die sanften Mikrobewegungen gesund erhalten, der Stoffwechsel angeregt, Herz-und Lungenfunktion sowie die Sauerstoffaufnahme in jeder Zelle werden gestärkt. Kurz gesagt: Es erhöht die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden.

FACTS: Ist denn in den Unternehmen ein Bewusstsein für diese geschlechtsspezifischen Unterschiede vorhanden? Gernot Steifensand: Die sogenannte Gender-Medicine erfährt immer mehr Aufmerksamkeit und auch die Frauen-und Geschlechtsforschung der TU Berlin hat gezeigt, dass die Unterschiede und Besonderheiten der Frauengesundheit eine wesentliche Voraussetzung für eine bedarfsgerechte und qualitätsgesicherte Gesundheitsvorsorge von Krankheiten sind. Die typischen Stressfaktoren – ein hohes Arbeitstempo, Zeitdruck, Unter-sowie Überforderung im Job – wirken sich bei vielen Frauen gesundheitlich anders negativ aus als bei Männern. Frauen haben zum Beispiel weniger Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, werden aber eher frühverrentet. Diese Aspekte sollten Arbeitgeber beachten, wenn es darum geht, Bürostühle für die Mitarbeiterinnen anzuschaffen, und sie tun dies auch vermehrt. Ein Blick auf die Verkaufszahlen des Lady Sitwell zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Nadia Hamdan

Jeder sitzt anders

FACTS 10/2009

Liebe, Lust und Leidenschaft

Liebe zu seinen Mitmenschen, Lust auf verdienten Erfolg und Leidenschaft für seine Arbeit treiben ihn seit Jahren an. Gernot Steifensand, Inhaber und Geschäftsführer der 1000 Stühle Gernot M. Steifensand GmbH in Wendelstein, wird nicht müde, seine Botschaft kundzutun: „Jeder sitzt anders.“

FACTS: Sie sehen die Entwicklung von Bürostühlen als Ihre Berufung. Woher diese Leidenschaft?

Gernot Steifensand: Sie ist mir sozusagen in die Wiege gelegt worden. Mein Vater, der Erfinder und Produzent des ersten sogenannten „Bandscheibendrehstuhls“, war auch der erste Sitzmöbelhersteller der 60er-Jahre, der die Anforderungen der neuen Normen und DIN-Vorschriften der Bundesrepublik Deutschland professionell und in Beratung mit Doktoren und Professoren umgesetzt hat.

FACTS: Seit Sie die Marke SITWELL mit dem bekannten Zukunftsforscher Smola im Jahr 2000 entwickelt haben, lautet Ihre Botschaft „Frauen sitzen anders“. Warum ist das Ihnen so wichtig?

Gernot Steifensand: Frauen bewegen sich, atmen und sitzen anders. Zudem unterscheiden sie sich von Männern biologisch und anatomisch in hohem Maße.

FACTS: Was ist bei der Frauenkollektion besonders und anders?

Gernot Steifensand: Die Frauendrehstuhlkollektion unterscheidet sich durch eine ganze Reihe von technischen Details von herkömmlichen Bürodrehstühlen. Beispielsweise bewirken eine flexible Frauenrückenlehne und ein extra weicher 7-Zonen-Frauensitz mit Taschenfederkern eine bessere Durchblutung der Beine und beugen somit kalten Füßen und Cellulitis vor. Die Frauenkollektion setzt einen von Dr. med. Peter Stehle entwickelten Bandscheibensitz ein, der das weibliche Becken beim sitzen korrigiert und das weibliche Holkreuz in die natürliche S-Form bringt und entlastet. Dies erlaubt, die Ursache von Rücken- und Nackenschmerzen zu bekämpfen und den Bandscheibenschaden vorzubeugen und zu vermeiden.

FACTS: An der Entwicklung Ihrer Bürostühle sind Mediziner beteiligt?

Gernot Steifensand: Alle SITWELL-Sitzlösungen sind unter dem Aspekt des biomechanischen und bioenergetischen Sitzens entwickelt worden und das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mit Arbeitsmedizinern und Sportwissenschaftlern wie etwa Dr. med. Peter Stehle, Dr. med. Peter Taub und dem Orthopäden und Spezialisten für die Erforschung von Geschlechtsunterschieden Dr. Michael Sababi. Auch der namhafte Dr. med. habil. Theodor Peters hat seiner Zeit viel dazu beigetragen.

FACTS: Das heißt, der medizinische Ansatz ist bei der Herstellung von Sitzlösungen eine Notwendigkeit?

Gernot Steifensand: Absolut. Jährlich entstehen den Unternehmen erhebliche Kosten durch den krankheitsbedingten Ausfall ihrer Mitarbeiter. Ursache Nummer eins sind dabei Rückenleiden. Bedenke man doch, dass der Mensch im Durchschnitt 80.000 Stunden seines Arbeitslebens im Büro verbringt und die meiste Zeit davon im Sitzen. Viele Menschen sitzen dennoch auf DIN- und Einheitsstühlen. Bewegung ist während des Sitzens dann nur in geringem Umfang möglich, die gesund erhaltenden Bewegungsabläufe des Organismus werden weitestgehend ausgeschaltet. Eine weitere verbreitete Krankheitsursache sind Venenprobleme. Darunter leidet jeder achte Mensch in Deutschland. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Und letztendlich berücksichtigen gängige Stühle wesentliche Punkte wie den Körperbau der Menschen nicht. Weder Größenverhältnisse noch die schon erwähnten geschlechtsspezifischen Unterschiede sind für sie ein Thema.

FACTS: Stichwort Geschlechtsunterschiede. Haben Frauen- und Männerstühle doch etwas gemeinsam?

Gernot Steifensand: Beide unterstützen das sogenannte „sensomotorisch-aktivierende“ Sitzen, bei dem kontinuierliche Bewegungsreize alle Muskeln, insbesondere Rumpf-, Rücken-, Schulter- und Armmuskulatur trainieren. Sowohl bei dem Damen- als auch bei dem Männerstuhl ist das Untergestell mit der Pending-Technologie versehen, was ein Sitzgefühl erzeugt ähnlich wie auf einem Gymnastikball – allerdings mit sicherem Halt.

Entschleunigung schafft Raum für Gefühle

FACTS 10/2009

Gelassenheit und Standhaftigkeit kommen in diesen hektischen Zeiten viel zu kurz. Dabei führen Beharrlichkeit und überlegtes Handeln sicherer zum erfolg – sowohl im persönlichen als auch im unternehmerischen Bereich – als das rastlose Rennen von einem Ziel zum anderen.

Ein Bus fährt mit Touristen an einer wunderbaren Küste entlang. An einem Aussichtspunkt hält er an. Die Touristen steigen aus und fotografieren die Gegend ausgiebig. Nur ein einziger Fahrgast steht da und blickt die Küste intensiv an. Der Fahrer fragt ihn: „Sie fotografieren wohl nicht?“ Der Fahrgast antwortet: „Nein, ich sehe es mir gleich hier an.“ Gelassenheit statt Aktionismus: Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich auf die gegenwärtige Situation einzustellen, ohne vorgefertigte Lösungsmuster: Dieser Ratschlag würde vielen Managern unserer unruhigen und hektischen Wirtschaft zugutekommen, wären sie in der Lage, ihn zu befolgen.

Doch gerade dies können sie nicht, zu sehr damit beschäftigt wie sie sind, Situationen rational zu bewerten, statt sie auf sich einwirken zu lassen. Sie müssen noch lernen, die Erlebnisse aus der Vergangenheit einmal abzustellen, diesen Ballast abzuwerfen und einfach loszulassen, um Platz für neue Ideen zu schaffen.

„Der Manager sollte darauf achten, dass er nicht ausschließlich dem Verstand, sondern auch der Intuition und seinen Gefühlen Raum gibt“, schreibt Werner Schwanfelder in seinem Buch „Laotse für Manager“, das die Lehren des alten Meisters für westliche Manager anwendbar machen will. „Oft nehmen wir so nicht den tatsächlichen Zustand wahr, sondern nur das, was wir darüber wissen.

Wir vergleichen mit früheren Erfahrungen und machen Prognosen für die Zukunft. Das Vergleichen verstellt uns aber auch den Weg für neue Lösungsmöglichkeiten.“ Laotse dagegen empfiehlt, Ruhe zu bewahren, Abstand zu suchen, den Dingen ihren Lauf zu lassen

BITTE ENTSCHLEUNIGEN
Diese Aufforderung kommen doch einige Unternehmer nach, auch wenn sie diesem Verhalten andere Namen geben. Beispielsweise verstehen sie unter dem Trendbegriff „Entschleunigung“ den Versuch, der durch Hast und Hektik entstandenen Beschleunigung aktiv entgegenzusteuern und die Geschwindigkeit zu reduzieren. „Schneller, höher, weiter, heißt das Motto unserer Zeit“, bestätigt Gernot Steifensand, Geschäftsführer der 1000 Stühle Gernot-M. Steifensand GmbH. „Das ist bar jeder Vernunft. Wir müssen unbedingt zu einer gewissen Langsamkeit zurückkehren und uns im Umgang mit uns selbst und unseren Mitmenschen verändern.“

Wer Gernot Steifensand gut kennt, weiß, dass dies kein Lippenbekenntnis ist. Die Achtung des natürlichen und vor allem des menschlichen Maßes bestimmte von Anfang an seine Handlungen. Bei der Entwicklung von Bürostühlen für ein körpergerechtes und geschlechtsspezifisches Sitzen, die nicht nur ergonomische, sondern vor allem orthopädische Aspekte berücksichtigen, stand für ihn immer nur eins im Mittelpunkt: der Mensch.

Diese Einstellung übernahm der Franke von seinem Vater, dessen Ziel es schon war, intelligente Sitzlösungen mit größtmöglichem Nutzen für seine Kunden zu konzipieren und zu produzieren. Durch diese Rückbesinnung auf die sozialen Pflichten und die Bewahrung der Harmonie dank traditioneller Tugenden wie Respekt und Liebe zu den Eltern nähert sich der Unternehmer im Übrigen einmal mehr der Lehre von Laotse.

„Mein Vater und meine Mutter, die mich immer zu Höchstleistungen motiviert haben, haben mir die richtige Grundlage gegeben und mich inspiriert. Sie haben mir beigebracht, auch bei meiner Arbeit immer nach dem Außergewöhnlichen, dem Exzellenten und dem Authentischen zu suchen.“ Diese Motivation, die ihn antreibt, betrachtet Gernot Steifensand als das Wichtigste überhaupt. Sie ist der erste Schritt auf dem langen Weg zum Erfolg. Und wie der alte Meister vor langer Zeit schon sagte: „Auch eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.“

Graziella Mimic

Aktiv Sitzen am Arbeitsplatz

 

FACTS 7/2009

Training fürs Büro

Ein kurzes, kompaktes sensomotorisches Übungsprogramm kann einen hohen Beitrag zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit leisten. Das Beste: Es lässt sich direkt im Büro ohne viel Vorbereitung durchführen – sogar im Nadelstreifenanzug.

Demographen sind sich einig: der Anteil junger Arbeitnehmer in Unternehmen geht drastisch zurück. Junge, gut ausgebildete Fachkräfte werden in Zukunft knapp, die Anzahl der über 50-jährigen Beschäftigten nimmt deutlich zu – teilweise auf einen Wert von bis zu 40 Prozent. Wie können sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber für diesen Alterungsprozess am besten wappnen?

Für die Unternehmen gilt es, die Voraussetzungen dazu zu schaffen, um im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte mitzuhalten. Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, sind neben „harten Faktoren“ wie dem Gehalt auch Konzepte für die bestmögliche Gestaltung des Arbeitsplatzes gefragt. Damit ältere und jüngere Mitarbeiter gleichermaßen vital und leistungsfähig bleiben, müssen Vorkehrungen getroffen werden, um Krankheiten wie etwa die an Büroarbeitsplätzen weit verbreiteten Rückenbeschwerden zu verbannen.

Allerdings: Bei der optimalen Gestaltung des Arbeitsplatzes komme es nicht allein auf die Ausstattung mit gesund erhaltenden Möbeln an, sagt der Sportwissenschaftler und Arzt Dr. Peter Stehle. „Auch die Mitarbeiter selbst müssen einen Beitrag dazu leisten, ihre Leistungsfähigkeit und -bereitschaft bestmöglich zu fördern und zu pflegen“, fordert der Mediziner. „Vor allem in einem Büroalltag, der von Bewegungsarmut und psychischer Anspannung geprägt ist.“

Vor diesem Hintergrund entwickelte Dr. Stehle das Konzept „Office in Balance“. Hauptbestandteil des Konzepts sind die so genannten Orthletic-Balance -Bewegungsprogramme. Deren Schwerpunkt stellen sensomotorische Trainings- und Übungsprogramme dar. „Unter Sensomotorik verstand man die Verbindung von sensorischen und motorischen Leistungen und meint damit die unmittelbare Steuerung und Kontrolle der Bewegungen aufgrund von Sinneseindrücken“, erläutert Dr. Stehle.

Sensomotorische Bewegungsprogramme werden auch im Leistungsfußball bereits seit Längerem erfolgreich eingesetzt. Für Thomas Schumacher, Jugendcheftrainer beim Fußballbundesligisten Borussia Mönchengladbach zum Beispiel sind sensomotorische Übungsformen fester Bestandteil im täglichen Training der Nachwuchs-Borussen. „Sie dienen der Verbesserung der konditionellen und koordinativen Fähigkeiten ebenso wie der Konzentrationsfähigkeit, der eigenen Körperwahrnehmung sowie der Körperspannung“, erklärt der Fußballtrainer.

Auch am Arbeissplatz

Da genau diese Wirkungsfelder auch für die Gesunderhaltung von Büroarbeitskräften eine wichtige Rolle spielen, propagiert. Dr. Stehle den Einsatz des Konzepts nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch im Büro: „Ein gesund erhaltender Arbeitsplatz erfordert zum einen natürlich die Ausstattung mit Sitzmöbeln, die sensomotorisch aktivierendes Sitzen ermöglichen“, sagt der Wissenschaftler. Doch das allein reiche nicht aus: „Das Konzept der Orthletic-Balance-Bewegungswelten dient dazu, konditionelle und koordinative Fähigkeiten zu trainieren – mit wenig Aufwand und einem einzigen Hilfsmittel: dem so genannten Balance Pad.“

„Wer auf dem Balance Pad stehen bleiben will, muss dauerhaft balancieren, um sein Gleichgewicht zu halten“, erläutert der Mediziner. Das hat die Beanspruchung verschiedener Muskelgruppen zur Folge: Rücken-, Bauch-, Bein und Gesäßmuskulatur – quasi der ganze Körper steht nahezu dauerhaft unter Spannung. Vorteil: Die Matte passt in jede Schreibtischschublade und ist sofort einsetzbar. Um darauf zu trainieren, ist keine besondere Bekleidung notwendig. Alle Übungen lassen sich auch im Nadelstreifenanzug absolvieren. Einzig die Schuhe sollten ausgezogen werden.

Das Orthletic-Balance-Bewegungsprogramm geht von der einfachen Grundstellung aus, komplexer und schwieriger werdende Übungen schließen sich an.

Aufgrund der Einfachheit der Trainingsmethode hält Dr. Stehle ein Trainingspensum von fünf bis zehn Minuten für ausreichend, um den gewünschten Effekt zu erzielen: „Die Übungen sind leicht erlernbar, erfordern keine Vorbereitungszeit und lassen sich alleine durchführen. Deshalb sind sie für den Einsatz in der oftmals hektischen Arbeitswelt geradezu prädestiniert.“ Und wer weiß, vielleicht wird das Balancieren auf der Matte zwischen einem Meeting und einem Kundentermin ja schon bald zu einem gewohnten Anblick in deutschen Büros.

Daniel Müller

Bürokrankheit Rückenschmerz

 

FACTS 6/2009

Kampf dem Rückenschmerz!

Wenn es darum geht, Rückenschmerzen aus Büros zu verbannen, spielen Bewegung und Aktivität eine entscheidende Rolle. Diese Einsicht gilt es, auch bei der Arbeitsplatzgestaltung und der Entwicklung von Bürostühlen zu berücksichtigen – fordert der Arzt und Sportwissenschaftler Dr. Peter Stehle.

Seelisches und physisches Wohlergehen der Mitarbeiter nehmen in der modernen Arbeitsgesellschaft immer mehr an Bedeutung zu. Dass nur gesunde Mitarbeiter kreativ und produktiv sein können, erschließt sich auf den ersten Blick.

Aus diesem Grunde sollte sich die betriebliche Gesundheitsförderung der Mitarbeiter auch nicht nur auf Zeiten des wirtschaftlichen Wachstums beschränken: „Gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass die Mitarbeiter ihre physische und psychische Leistungsfähigkeit voll entfalten können“, sagt Dr. med. Peter Stehle, Arzt und Sportwissenschaftler.

Denn vor allem in konjunkturell angespannten Zeiten sollten Unternehmen auf die Ressource Mensch bauen – nicht zuletzt mit Blick auf die Zeit nach der Krise, wenn es wieder darum geht, für gut qualifizierte Arbeitnehmer als ein attraktiver Arbeitgeber zu gelten.

KOMPLEXES ZUSAMMENSPIEL
Nach Meinung Stehles müsse man sich bei der Auseinandersetzung mit Themen, die sich mit der Gesundheit des Menschen beschäftigen, die Bedeutung des Menschen als „biopsychosoziales Wesen“ stets vor Augen halten.

Was damit gemeint ist? „Biologische, psychologische und soziale Einflussfaktoren stehen bei der Entstehung von Krankheiten und deren Verlauf sowie in der Schmerzsymptomatik in einem komplexen Zusammenspiel“, erklärt der Mediziner, der sein Wissen für die Entwicklung neuer Bürodrehstühle einsetzt und dem Hersteller von Bürodrehstühlen 1000 Stühle Gernot-M. Steifensand GmbH beratend zur Seite steht.

In Prävention, Therapie und Rehabilitation von Krankheiten habe man schon lange erkannt, dass sich frühzeitige Förderungen von Aktivität und Bewegung des Menschen positiv auswirken. Dieses Denken, so die Ansicht von Dr. Stehle, müsse auch in den Bereichen Arbeitsplatzgestaltung und -ausstattung Berücksichtigung finden – ganz besonders auch beim Thema „Sitzen am Arbeitsplatz“, schließlich erledigen Büroarbeiter ihre Tätigkeitüberwiegend im Sitzen.

„Ein guter Bürostuhler ermöglicht funktionell richtiges Sitzen, ohne dabei negativ manipulierend auf die Sitzhaltung einzuwirken“, sagt Dr. Stehle. Dabei müsse man die individuellen Unterschiede eines Menschen wie Körpergröße und Geschlecht berücksichtigen. Hintergrund: Frauen und Männer sind unterschiedlich gebaut, sodass Frauen zum Beispiel eher zum Hohlkreuz neigen und beim Sitzen flacher atmen. Bei der Beurteilung von Bürositzmöbeln auf ihren Beitrag zur Gesunderhaltung seien ergonomische Aspekte wie etwa die Handhabung von Bedienungselementen am Bürostuhl sicherlich wichtig. Doch nach Meinung des Wissenschaftlers sollten zukünftig bei der Konstruktion und Bewertung von Bürostühlen auch orthopädisch-biomechanische Aspekte federführend sein.

HOHE FOLGEKOSTEN
Im Vordergrund dieser orthopädisch-biomechanischen Überlegungen steht der Rumpf. Rückenbeschwerden gelten als Hauptverursacher von Arbeitsunfähigkeit, und zwar noch vor allen anderen Symptomen. Neueste Untersuchungen, die am Rande des Forums „Fortschritt und Fortbildung“ der Bundesärztekammer in Berlin bekannt gegeben wurden, belegen: Fast fünf Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter Rückenschmerzen mit hoher Beeinträchtigung. Dadurch entstehen jährlich Kosten in Höhe von über 7.000 Euro – und zwar pro Patient.

Auch in der Rehabilitationsbehandlung stellen Rückenschmerzen den größten Kostenfaktor dar: Die Mehrheit der europäischen Bevölkerung (60 bis 85 Prozent) hatte irgendwann schon einmal muskulär bedingte Rückenbeschwerden. Diese lokalisieren sich nicht nur im Bereich der Lendenwirbelsäule, sondern zunehmend auch im Bereich der Halswirbelsäule sowie im Schulter-Arm-Bereich. „Die Hauptursachen für derlei Beschwerden werden heute in Fehlfunktionen und Verspannungen der Muskulatur gesehen und sind häufig auf Bewegungsarmut oder falsches Sitzen am Arbeitsplatz zurückzuführen“, erläutert Stehle.

Bei der Konstruktion eines modernen und gesunden Bürostuhls komme es ganz wesentlich auf die Berücksichtigung einiger anatomischer und biomechanischer Grundlagen an.

Im Hinblick auf die anatomischen Aspekte des menschlichen Körperbaus seien nach Meinung Stehles die Übergänge zwischen oberen und unteren Extremitäten des Rumpfs, nämlich Schulter- und Hüftgelenke, Kreuzbein und Becken, die neuralgischen Punkte. Das Entscheidende: „Bewegungseinschränkungen in diesen Bereichen haben Auswirkungen auf den Rumpf, und umgekehrt“, erklärt Stehle. Deshalb müsse bei der Thematik des richtigen Sitzens der Übergang von der Wirbelsäule zum Becken zentrale Bedeutung haben. Denn: „Unterschiedliche Stellungen des Beckens wirken sich biomechanisch auf die Stellung der Wirbelsäule und somit auf die Gesamthaltung eines Menschen aus.

Dies gilt es bei der Konstruktion eines wirklich gesunden Bürostuhls zu bedenken.“ Das Problem: Je weiter die Wirbelsäule von der Idealhaltung abweicht, desto ungünstiger wirken sich die mechanischen Einflüsse aus. Ein weit verbreitetes Problem ist etwa der so genannte Rundrücken. „Diese Haltung entsteht, wenn beim Sitzen das Becken nach hinten kippt.“ Die Folge: Im Gegensatz zur idealen Sitzhaltung, bei der nur ein Minimum von Energie benötigt wird, ohne Muskulatur, Bänder und Bewegungsapparat zu überanspruchen, wird die Nackenmuskulatur bei dieser ungünstigen Sitzhaltung gezwungen, eine aufrechte Kopfhaltung sicherzustellen. Infolgedessen wird sie überlastet.

Weiteres Problem: Je mehr sich das Rückgrat krümmt, umso rascher ermüdet die Muskulatur und auf der Bandscheibe ruht eine vermehrte Last. Die schlechte Konsequenz nach Meinung Stehles: „Das ist leider der ideale Nährboden für die verschiedensten Rückenbeschwerden.“ der ideale Bürostuhl. Deshalb müsse es bei der Konstruktion von Bürostühlen oberstes Ziel sein, durch wirbelsäulengerechtes Sitzen Einflüsse mit allzu groben und langandauernden Abweichungen zu vermeiden oder durch Haltungs- und Bewegungswechsel abzumildern.

„Am Büroarbeitsplatz muss zwingend eine physiologische Sitzhaltung angestrebt werden.“ Damit eine solche gewahrt bleibt, sind folgende Kriterien einzuhalten: die Wahrung der natürlichen „S-Form“ der Wirbelsäule, ein nach vorn gekipptes Becken, eine muskulär entspannte Sitzhaltung sowie ein frei beweglicher Schulter-Nacken-Bereich. „Ein Bürostuhl, der diese Kriterien erfüllt, unterstützt funktionell richtiges Sitzen“, fasst Stehle zusammen. Und durch gesundes Sitzen am Arbeitsplatz kann ein großer Beitrag dazu geleistet werden, der „Bürokrankheit“ Rückenschmerzen endlich den Garaus zu machen.

Daniel Müller

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