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F.-Martin Steifensand & Pali lässt die Pferde anspannen

Montag, 04. April 2022 – 5. Kapitel – DIE STORY – F.-Martin Steifensand – Ein deutsches Schicksal: Vertreibung und Flucht aus dem Pommernland – Der dornenreiche Weg vom Flüchtlingskind zum Unternehmer.

Unser Vater Kurt Xaver Martin Steifensand, den wir liebevoll Pali nannten, war nicht nur für die Bediensteten von Viatrow, sondern auch für uns Kinder eine Respektsperson. Sein Wort war unumstößliches Gesetz.

Wenn Pali sein tägliches Mittagsschläfchen hielt, so war das für uns Kinder mit dem Gebot verbunden, im Hause absolute Ruhe zu halten. York Steifensand und ich wurden, wie vorher auch die inzwischen davon befreiten, weil doch schon viele „größeren“ Schwestern, zur mittäglichen Siesta verdonnert.

Aus dem uns verordneten Schläfchen aber wurde häufig eine lustige Keilerei, eine ausgelassene Kissenschlacht. Oftmals kam das Zimmermädchen, das vor der Tür unserer Kemenate Wache hielt, zu uns herein und verabreichte uns einen Klaps au den blanken Hintern. „Wisst ihr Bengels denn nicht, dass Euer Vater schlafen will…“, so herrschte sie uns an, dass Ruhebedürfnis Palis in Erinnerung rufend.

Manchmal half es ein wenig, doch oftmals fruchteten die Ermahnungen so gut wie nicht. Eines Tages zog ein mächtiges Donnerwetter im Haus auf, als Pali selbst zornig in der Tür unseres Bubenzimmers erschien.

Die Strafe für Ruhestörung folgte allerdings nicht auf dem Fuß. Es wurde nur das Urteil verkündet: Wir hatten uns am Nachmittag im Arbeitszimmer von Kurt Xaver Martin Steifensand zur Bestrafung einzufinden. Wir wussten natürlich, was uns blühte, und das Warten auf den festgesetzten Termin zur Vollstreckung des Urteils war schon recht schlimm.

Als York Steifensand aus dem Arbeitszimmer kam, hielt er sich mit beiden Händen den Hintern. Mitten im Raum stand Pali, mit einer langen Reitpeitsche, die mit einem silbernen Knauf versehen war, in der Hand.

Angesichts der bevorstehenden Strafjustiz schrie ich schon vorher ganz erbarmungswürdig und versicherte bettelnd: “ Ich will es auch ganz gewiss nicht wieder tun…!“ Ich verband damit die Hoffnung, dass dann die Strafe milder ausfallen würde.

Bücken sollte ich mich um meinen Allerwertesten darzubieten. Doch aus Angst blieb ich kerzengerade stehen. Wie ein Stock so steif. Da schnappte sich Kurt Xaver Martin Steifensand das Bürschlein, legte es sich über das Knie und verabfolgte einen Schlag auf den Hosenboden. Einen einzigen nur. Ehrlich: Der Schrei, der sich darauf meiner Kehle entrang war dem Schmerz auf meinen Hinterteil beileibe nicht angemessen. Aber der Zorn von Kurt Xaver Martin Steifensand war damit verrauscht, und er ließ von mir ab.

Wir wussten bei solchen Strafaktionen, dass uns Kurt Xaver Martin Steifensand nur eine Denkzettel verpassen wollte, der längere Zeit vorhalten sollte. Doch damit war für Ihn die Angelegenheit auch erledigt. Er trug uns nichts nach. Und so fiel auf das Verhältnis zu Pali nicht der geringste Schatten. Denn wir wussten ja auch, dass wir Strafe verdient hatten.

Nach der Mittagsruhe stand Kaffeetrinkern auf dem Programm des Familien-Alltags. Während beim Mittagstisch und zu Abendbrot Vollzähligkeit Pflicht war, mussten wir Kinder zur Kaffeestunde nicht unbedingt erscheinen. es sein denn , es war Besuch angesagt, dem wir präsentiert werden sollten.

Das Bild steht noch ganz deutlich vor mir: Der duftende Kaffee wurde aus einer bauchigen silbernen Kanne mit einem Griff aus Elfenbein ausgeschenkt. Milchkännchen und Zuckerdose passten zu diesem Ensemble. Neben Gebäck gab es oftmals auch Brote mit Honig, Rübensirup, oder Marmelade.

Pünktlich um 16:00 Uhr wollt unser Vater Kurt Xaver Martin Steifensand auf die Felder fahren, und so klopfte Herr Stiebian nach Ende der Kaffeerunde an und meldete, dass der Kutzer angespannt habe und vorgefahren sei. Je nach Anzahl der Mitfahrenden war schon vorher der Kutschwagen ausgewählt worden.

Wenn sich noch andere Gäste im Haus aufhielten, denen Kurt Xaver Martin Steifensand die Landwirtschaft zeigen wollte, wurde meistens der Landauer angespannt. Die Kutschpferde hießen „Winkelried“ und „Pribislava“. Kutscher Kurt Lawrenz thronte auf dem Kutscherbock, die ausgeruhten Pferde, die nervös an den Trensen kauten und ungeduldig auf den Hufen scharrten, mit kraftvoller Hand zügelnd.

Die elegante Kutschpeitsche mit einer Spitze aus Schiefelbein steckte im Köcher. War kein Besuch zugegen, wählte Kurt Xaver Martin Steifensand den leichten „Hasewagen“. Bei diesem führte er selbst die Zügel.

Auch ich wurde immer gefragt, ob ich denn nicht mit hinaus auf die Felder fahren möchte. Doch ich verneinte permanent.. Dagegen saß York Steifensand immer neben meinem Vater Pali, Blickrichtung stolz nach vorne. Ich habe stillvergnügt nachgeschaut, wenn der Wagen mit knirschenden Rädern um das Rondell herumfuhr, in den breiten Weg einbog und gleich darauf hinter den großen Holztor verschwand.

Kurt Xaver Martin Steifensand fuhr zu den Äckern, auf denen gepflügt, gesät, oder geerntet wurde. Er sprach mit Inspektor Janitzy, dem Hofmeister Lippitz, dem Vorknecht Wugatzke – und eigentlich mit allen Leuten.

Oft unterhielt sich Kurt Xaver Martin Steifensand auf fließend in Französisch mit unseren gefangen Franzosen, die am 1. August 1940, nach dem Frankreichfeldzug, als Kriegsgefangene aufs Rittergut Steifensand nach Viatrow kamen. Ich erinnere mich noch ganz besonders an Mickey, Fourie und Lasnavaire. Der älteste von ihnen war Bordas.

Gernot-M. Steifensand & F.-Martin Steifensand
90530 Wendelstein bei Nürnberg / Deutschland

Telefon: 09129-40679-0
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F.-Martin Steifensand & Christel Gomoll

Samstag, 12. März 2022 – 4. Kapitel – DIE STORY – F.-Martin Steifensand – Ein deutsches Schicksal: Vertreibung und Flucht aus dem Pommernland – Der dornenreiche Weg vom Flüchtlingskind zum Unternehmer.

In unserem Dorf Viatrow gab es keine eigene Schule. Alle Kinder der rund 20 Familien, die die acht Häuser bewohnten, mussten sich täglich nach Unterviatrow auf den Weg machen. Das war eine Strecke von 1,2 Kilometern.

Dort gab es die Dorfschule, die auch für uns zuständig war. Doch unsere Eltern wünschten sich nicht, dass wir sie besuchten. Vielleicht fürchteten sie, dass wir dann schlechte Manieren annehmen und uns zu Unbotmäßigkeiten hinreißen lassen würden.

Sie verpflichteten für uns eine Hauslehrerin. Christel Gomoll, so hieß sie, kam aus der 28 Kilometer entfernten Kreisstadt Stolp. Für uns alle, auch für meinen Vater Kurt-Xaver-Martin Steifensand, war sie nur „die Christel“.

Oft waren wir in dem Zimmerchen in der Mansarde, unserem „Klassenzimmer“. Einbauschränke füllten die Schräge des Dachgeschosses. Die Holztüren waren mit der gleichen Tapete bezogen wie die Wände. Wenn man zur Tür hereinkam, stand rechts an der Schmalseite ein Waschtisch. Eine mit Tapete bezogene Kiste, von einem Stoffvorhang abgeschlossen, füllte die schräge Längsseite. Links von der Tür bullerte im Winter ein Kachelofen, dessen Ofenrohr mit Silberbronze angestrichen war.

Daneben verbreitete eine überdimensionales Plüschsofa mit Bettkasten und hoher Rückenlehne, die in eine feine ziselierte Holzumrahmung mündete, die Gemütlichkeit eines Wohnschlafzimmers. Hier konnten Christels Gäste nächtigen. Ganz deutlich in Erinnerung ist mir auch noch ein reich mit Intarsien versehener nussbaumfurnierter Tisch . Er stand recht fest auf einem üppigen gedrechselten Mittelfuß, der in drei geschwungenen Beine auslief. (Christel hatte noch ihre eigenes Stübchen, glich oben an der Treppe.)

Aus dem kleinen viereckigen Fenster hatte man einen Überblick über einen winzigen Innenhof, der noch zum Park gehörte. Man sah die Holzstöße, die Aschenkuhle, den Hühnerhof. Dahinter die Dorfschimiede mit vielen ausrangierten Landwirtschaftsgeräten drumherum. Diese waren durch neue Maschinen ersetzt worden. Der Blick nach rechts schweifte über ein langes Gebäude, worin Hühnerstall, Kohlenschuppen und die landwirtschaftlichen Maschinen-Remise untergebracht waren.

Aus dem Dach des Kohlenschuppens ragte ein Taubenschlag heraus. An den beiden Fluglöchern herrschte reger Flugverkehr. Das Gurren der Tauben hörten wir bis in das Haus hinein.

Unsere Hauslehrerin Cristel Gomoll haben wir, besonders ich F.-Martin Steifensand sehr verehrt, obwohl wir als Kinder nicht immer einsehen konnten, warum wir uns mit Lernen abmühen sollen. Spielen war doch viel schöner und kurzweiliger.

Gernot-M. Steifensand & F.-Martin Steifensand
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Lebendige Heimat – Viatrow 1936

19.02.2022 – 3. Kapitel – DIE STORY – F.-Martin Steifensand – Ein deutsches Schicksal: Vertreibung und Flucht aus dem Pommernland – Der dornenreiche Weg vom Flüchtlingskind zum Unternehmer.

Über 40 Jahre sind in das Land gegangen. Viatrow – das ist doch eigentlich nur noch Erinnerung. Weit, weit zurück liegen jene Eindrücke, die sich aber tief in das Gedächtnis eingegraben haben. Dabei standen mir nur genau elf Jahre zur Verfügung. Erlebnisse zu registrieren. Einige davon, in den ersten Kinderjahren, waren noch ohne das Bewusstsein für prägende Erinnerungen.

Und dennoch: Wenn ich die Augen schließe, dann entsteht heute noch ganz scharf und konturenreich vor mir das Bild unserer Heimat, ihrer Häuser, ihrer Landschaft und vor allem ihrer Menschen. Mitten in den gepflegten Parkanlagen erheben sich die Herrenhäuser, die sich in den Teichen spiegeln und auf deren weiße Wände die dicken alten Linden und knorrigen Eichen im Sonnenschein Schattenrisse zeichnen.

Rotbuchen, Holunderbüsche und Hecken bilden verträumte, lauschige Winkel; Rosen- und Tulpenbeete säumen, blühende je nach Jahreszeit, die Wege zu den Parks. Wie das in Pommern damals so selbstverständlich war, blühte im Sommer ein großes Rondell vor jedem Herrenhaus.

Um in das Gutshaus von Kurt Xaver Martin Steifensand 
zu gelangen, gab es drei Möglichkeiten.

Direkt vom Park aus durch den Haupteingang, den man über ein paar Stufen erreichte. Man gelangte sofort in einen großen Raum, mit Stühlen, den wir „die Halle“ nannten.

Dieser riesige Raum bildete den Mitteltrakt, der das ganze Haus querte. Auf der gegenüberliegenden Seite erreichte man die Glasveranda, einen Vorbau, durch den man über eine von dicken Mauern gesäumte Treppe das Haus wieder verlassen konnte.

Wenn die dicke Buschhecke vor dem Haus nicht einen großen Teil der Sicht versperrt hätte, dann wäre von hier aus ein Rundblick auf den Hof mit all seinen Speichern, Scheunen, Wagenremisen, Gutsstallungen und Leuteställen sowie auf den Dorfteich möglich gewesen.

An der nördlichen Schmalseite des Herrenhauses führte ein Eingang direkt in die untere Etage. In diesem Souterrain befanden sich die Haushaltsräume sowie die Zimmer der Bediensteten. Von Mariechen, der Mamsell, von Zimmermädchen Irmchen und Gärtner und Chauffeur war, wird später noch eine Rede sein. Auch von der Hühner-Berta, die allgemein Hauna Bart gerufen wurde.

Von diesem Eingang, den auch wir Kinder benutzten, erstreckte sich unser Spielbereich. Ein weißer Zaun, dessen Latten und Querstreben von Steinpfeilen getragen wurde, begrenzte den Außenhof mit den Holzstaken, den Hühnerställen, der Aschenkuhle usw. Dort angelehnt an den Zaun hatte man kleine Karnickelställe gebaut, in denen die Häschen unserer Schwestern heranwuchsen. Oftmals lagen wir auf dem Dach dieser Ställe und aalten uns in der Sonne.

Das ganze Jahr über begleitete und das werden und vergehen eines gewaltigen Baumes, einer wundschönen gewachsenen Kastanie. Wie ein Wunder erschien es uns, wenn nach einem frostigen Winter, der an manchen Tagen dicken Raureif an die Äste gezaubert hatte, im Frühling zuerst die klebrige Knospen hervorlugten, die wir so gerne berührten. Kurzdarauf hatte der Baum dann seine zartrosa Blütenkerzen aufgesteckt.

Es Es wurde schon Herbst, wenn der Wind die Früchte vom Baum schüttelte, die beim Aufprall auf den Boden auseinander platzten und die Kastanien über den Hof hüpften ließen. Wir haben sie meist alle liebevoll aufgesammelt, diese sauberen, glatten Kugeln, die leider schon nach wenigen Tagen zum schrumpfen begannen, dabei ihre schöne Form und Farbe einbüßend.

Für uns Kinder hatte man in einem der starken Äste eine Schaukel angebracht, auf der wir uns hoch und immer höher zu schwingen trauten. Den mächtigen Baum zu erklettern, war gar nicht so einfach. Er war viel zu dick, und im unterem Bereich des Stammes gab es keine Äste, an denen man sich hätte hochangeln können. Wir beiden kleinen Jungs staunten da über unsere viel größeren Schwestern die geradezu artistische Begabung an den Tag legten, um in die Krone des Baumes zu gelangen.

Im Garten von Viatrow 1936. Von links F.-Martin Steifensand, Hati Steifensand, Laurette Steifensand, Dietel Steifensand, York Steifensand. Das Wollknäuel auf dem Schoß der Mädchen ist Mohrchen.

Wiatrowo (deutsch Viatrow, 1938–45 Steinfurtkaschubisch Wiatrowò) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern und gehört zur Landgemeinde Damnica (Hebrondamnitz) im Powiat Słupski (Kreis Stolp).

Die Schwestern, Laurette Steifensand, Dietel Steifensand und Hati Steifensand krabbelten auf einen Steinpfeiler des Zaunes, schwangen sich in waghalsigen Sprung mit hoch erhobenen Armen zum nächst erreichbaren Ast, und mit einem geradezu bewundernswerten Schwungaufzug erklommen sie das untere Astwerk.

Von da aus war es für sie dann keine Anstrengung mehr, bis in den obersten Wipfel zu steigen. Voller Neid schauten wir zu ihnen hinauf. Erste Jahre später bekamen auch wir Jungs den Bogen raus, und von da an hatte die gutmütige Kastanie keine Ruhe mehr von uns und den Dorfkindern, die zum Spielen zu uns kamen. Wenn wir nicht gerade Lust zum Klettern hatten, bauten wir auf einem großen Sandhaufen mächtige Ritterburgen, oder Rutschbahnen, auf denen wir Kugeln durch die Serpentinen rollen ließen.

Von diesem Spielhaus aus führte ein Grabenweg zum Eiskeller. Hier hatte man im Winter Eis von den Teichen eigeschaufelt, das man im Sommer zum Kühlen der Speisen und Getränke in den Eisschrank brauchte. Dieser Keller war mit einem dicken Vorhängeschloss für uns Kinder gesichert. Doch immer wieder war es erregend, wenn wir im Sommer beim Eis holen ein Blick in diesen Eispalast werfen konnten. Doch die Tür wurde immer nur für wenige Sekunden geöffnet.

Ein Stück weiter, dem Graben entlang, hatte ich eine Höhle gebaut. Hier haben wir mit den Dorfkindern oftmals Versteck gespielt. Wir ahnten damals nicht, dass dieser Unterschlupf in der letzten Phase des Krieges unserer Schwester Dietel Steifensand, die als einzige noch in Viatrow geblieben war, ein sicheres Versteck bieten würde. Wenn die Russen in der Nacht durch die Gegend zogen, um nach Frauen und Mädchen für ihre Vergewaltigungstouren zu suchen, fand Dietel Steifensand dort Sicherheit.

Wir Steifensand`s, waren gewiss keine Kinder von Traurigkeit. Im Gegenteil. Zu gegebener Zeit wurde entsprechend dem Anlass auch froh gefeiert. Als unsere Schwestern noch alle zu Hause waren, erlebten wir auf der Seite der großen Veranda, zwischen dem Haus und einer großen Tanne, alljährlich ein „Schützenfest“.

Für Organisation und Durchführung zeichneten unsere Schwestern Verantwortung. Sie sorgten für den Aufbau der Buden und deren Ausstattung mit Spielgeräten und Verkaufstischen. Das Schützenfest wurde zu einem sehr lebendigen Fest der Spiele, woran wir Kinder aus unserem Freundeskreis teilnahmen.

Noch gut in Erinnerung sind mir jene „Attraktionen“, die wir damals als solche ansahen: Sackhüpfen, Eierlaufen, Würfeln, usw. Auch Kunststücke auf dem Fahrrad fanden viel Beifall. Absoluter Höhepunkt war das Reiten auf unserem Pony. Natürlich musste jeder, der dieses Vergnügen in Anspruch nehmen wollte, einen Obolus entrichten. Allerdings nicht in klingenden Münzen, sondern in Form von Rosenblättern, die wir als Währung eingeführt hatten.

Dieses Zahlungsmittel wurde auch angenommen für die Fruchtsäfte und die Brause, die wir in riesigen Mengen – Kinder haben immer Durst – durch unsere Kinderkehlen rinnen ließen. Wenn ich an diese Feste zurückdenke, höre ich noch in Gedanken das Kläffen unseres Jagdhundes, der aus einem Zwinger zuschaute und gerne vom Streuselkuchen und den Würstchen naschte, die wir ihm über den Zaun warfen.

Wiatrowo liegt in Hinterpommern, etwa neun Kilometer nördlich von Damnica (Hebrondamnitz) am linken Ufer der Lupow (polnisch: Łupawa). Bis zur südwestlich liegenden Kreisstadt Słupsk (Stolp) sind es 26 Kilometer. Über eine Stichstraße ist das Dorf mit der von Będziechowo (Bandsechow) nach Damno (Dammen) und Potęgowo (Pottangow) führende Nebenstraße verbunden. Die nächste Bahnstation ist Damnica an der Bahnstrecke von Stargard in Pommern nach Danzig.

Namensformen sind: Vatrow (1274), Vetrowe (1283), Viattro (1426), Viatrow (bis 1937), Steinfurt (1938–45) und ab 1945 Wiatrowo. Die deutsche Bezeichnung Viatrow kommt nur hier vor, der polnische Name Wiatrowo erscheint noch einmal in der Woiwodschaft Großpolen.

Gernot-M. Steifensand & F.-Martin Steifensand
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Viatrow – Heimat für elf Jahre

09.02.2022 – 2. Kapitel – DIE STORY – F.-Martin Steifensand – Ein deutsches Schicksal: Vertreibung und Flucht aus dem Pommernland – Der dornenreiche Weg vom Flüchtlingskind zum Unternehmer.

Wie unsere Familie Steifensand zu dem schönen Besitz Viatrow gekommen war? Nun, mein Großvater Kurt Xaver Martin Steifensand (Pali) bewirtschaftete das elterliche Gut Schwuchow. Da entdeckte er eines Tages, dass in der Nähe das Gut Viatrow mit 1600 Morgen Land preisgünstig zum Verkauf stand.

Kurt Xaver Martin Steifensand telegrafierte seinem Vater diese Nachricht und erfragte dessen Meinung, ob man diese Gelegenheit nicht nutzen sollte. „Sofort zupacken“ lautet die Antwort.

Das STEIFENSAND Gut Viatrow, wie es die Familie in lieber Erinnerung hat. Au der Rückseite des Fotos ein paar Zeilen des Gutsherren vom 30. Mai. 1921:
„Häuschen harret voll Verlangen – Frohe Gäste zu empfangen“.

Das bestreben vom Großvater Steifensand war es immer gewesen, jedem seiner Söhne ein gut zu hinterlassen. Der ältere Spross, unser Onkel Günter, hatte das Gut Tonin auf der Insel Wollin in Pommern, Onkel Wilhelm gehörte in Kuhnhof das Gut Bewersdorf mit dem herrlichen Schloss im Mittelpunkt des Dorfes. Der jüngste Onkel Fritz, erbte Schwuchow. Und mein Vater übernahm unser geliebtes Viatrow.

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Zwei Eichen für Viatrow

08.02.2022 – 1. Kapitel – DIE STORY – F.-Martin Steifensand – Ein deutsches Schicksal: Vertreibung und Flucht aus dem Pommernland – Der dornenreiche Weg vom Flüchtlingskind zum Unternehmer.

Der Sommer des Jahres 1932 hat seinen Höhepunkt überschritten. Die Pommersche Erde hat wieder reiche Frucht getragen. Ende Juli ist das Erntegut auf schwankenden Leiterwagen in die Scheune gefahren worden. Die wohlgenährten, aber doch feingliedrigen Pferde haben sich fest in die Sielen legen müssen; die schweren Eisenräder haben sich durch den feinen Sand der ausgetrockneten Wege gemahlen.

Noch setzen jetzt Kartoffeln und Rüben auf den weiten Schlägen wertvolle Masse an. Ihr Kraut, das den gelben Sandboden hoch überwuchert hat, zeigt jedoch schon mit zarten Brauntönen erste Anzeichen der bevorstehenden Reife, der nahen Ernte.

Das Singen und Scherzen der Knechte und Mägde klingt wie immer um diese fröhliche, wenn auch arbeitsreiche Jahreszeit. Doch die Weltgeschichte schickt sich gerade an, ein neues Kapitel aufzublättern. Aus der Hauptstadt Berlin des deutschen Reiches kommen düstere Nachriten. Krisen in Politik und Wirtschaft sind in die weite Landschaft Pommerns nur zaghaft vorgedrungen.

In der nahen Kreisstadt Stolp soll es auch schon zu Zusammenstößen zwischen rivalisierenden politischen Gruppen gekommen sein, doch auf den Äckern und in den Ställen der Güter herrscht noch Ruhe. Man ist voll beschäftigt, kennt das Problem der Arbeitslosigkeit nur von Hörensagen. Mann hat satt zu essen, am Sonntag ein saftiges Stück Fleisch im Topf. Keiner spricht von Wohlstand, und auch die Grundbesitzer leben in der Bescheidenheit der um Besitz und Vermögen bangenden Begüterten. Aber man ist sehr wohl zufrieden mit dem, was man hat. Und wenn die Ernte wieder gut verkauft werden kann, ist man dem Jahr 1932 durchaus nicht gram.

Gut Viatrow in Pommern, Geburtshaus von F.-Martin Steifensand

Gut Viatrow in Pommern, Geburtshaus von F.-Martin Steifensand

Im Herrenhaus von Viatrow hofft man auf gute Erträge der Arbeit,, die man in dem Land investiert hat. Ein beträchtliches Stück der „Kornkammer Deutschlands“, wie man dieses Land Pommern bezeichnet, gehört mit 1600Morgen zu Viatrow. 120 Morgen davon sind pommerscher Wald, dem trotz intensivster Pflege nicht viel Ertrag abzuringen ist.

Warum wohl hat der „Alte Fritz“ den alle hier noch immer verehren, von der „Sandbüchse“ Preußens gesprochen, wenn er seine pommerschen Untertanen ärgern wollte?

Mann lebt hier in gutem Einvernehmen mit denen, deren Arbeitskraft man sich verpflichtet hat, denen man aber auch als Arbeitgeber verpflichtet ist. Man weiß, dass der eine ohne den anderen nicht leben kann, dass diese pommersche Heimat nur dem gehört, der sie sich täglich neu erkämpft. Jeder an seinem Platz.

In Viatrow herrscht in diesen Augusttagen des Jahres 1932 eine Stimmung, die von zwiespältigen Gefühlen bestimmt ist. Hat man Anlass einen freudigen Ereignis entgegen zu sehen? In der Privatklinik von Dr. Witt in Stolp erwartet die Gutsherrin Laurette Steifensand, geborene von Handstein, ihre schwere Stunde. Nach Laurettchen, die mit ihren zehn Jahren so etwas wie mütterliche Gefühle für ihre beiden Schwesterchen – die fünfjährige Hadwig, genannt Hati, und die vierjährige Dietlinde, das Nesthäkchen Dietel – zu hegen scheint, erwartet man auf Viatrow wieder einmal den „Stammhalter“. Wird das vierte Kind nun endlich ei Junge sein? Man sagt es nicht laut, aber man wünscht es sich, dass diese Hoffnung nun doch in Erfüllung geht. Wenn man gefragt wird, tut man gelassen und versichert, es werden schon recht sein, wie es kommen wird. Wenn nur Mutter und Kind gesund sein werden…

Der 14. August des Jahres 1932 ist ein Sonntag. Hochsommer in Pommern. Zum Glück kühlen frischen Winde, die von der nahen Ostsee über das Land streichen, die Hitze ein wenig ab An diesem Tage sind alle Gedanken bei Mutti in Stolp. Der Tag schleppt sich so dahin; es kommt keine rechte Fröhlichkeit auf. Am Abend werden die Mädchen wie gewohnt zu Bett gebracht.

Da klingelt gegen 22 Uhr das Teflon. Das schrille Scheppern der Glocke ist im ganzen Haus zu hören. Das muss die Nachricht sein, auf die alle so gespannt warten. Dr. Witt ist selbst am Apparat. Er gratuliert den Grundbesitzer Steifensand. Die Geburt sei ganz normal und ohne Komplikationen verlaufen.

Rittergutbesitzer Kurt Xaver Martin Steifensand – Selten zum Lachen aufgelegt.

„Gott sei Dank!“ so seufzt der aufatmende Vater ins Telefon. Nach dem Geschlecht des Kindes mag er gar nicht fragen. „Ja-wollen Sie denn gar nicht wissen, Herr Steifensand, was Sie bekommen haben? „. Auf diese Frage, die Dr. Witt mit einem deutlichen herauszuhörenden Lachen in der Stimme stellt, druckst der Gutsherr heraus: Ja, natürlich, was isses denn nu…? Und dann verschlägt es ihm die Stimme. Der absolut nicht kleinlaute Familienvater legt den Hörer nachdrücklich auf die Gabel. Er sinkt erst einmal in den Stuhl neben dem Telefon, schenkt sich einen – natürlich zweistöckigen – Klaren ein und kippt ihn herunter.

Dann holt er noch einmal tief Luft und stürmt die breite Treppe hinauf in die Kinderzimmer, weckt die Kleinen und verkündet ihnen diese Botschaft aus Stolp. „Kinder-hört nur, wir haben Zwillinge! Und, stellt euch vor, es sind zwei Jungs!“ Wenn der beglückte Vater von F.-Martin Steifensand erwartet haben sollte, dass nun bei den Mädchen Freude und Jubel ausbrechen würde, dann hatte er sich grundlegend getäuscht. Zwei Brüderchen auf einmal, das will erst verkraftet sein…

F.-Martin Steifensand und York, Erich, Caspar Steifensand – Wohlbehütet von
Mama Laurette Steifensand

Laurettchen bezweifelt die telefonische Durchsage. Skepsis schwingt in ihrer Frage: Was -gleich zwei…“ Hati kann sich mit dieser überraschenden Situation überhaupt nicht anfreunden. Es ist ein wenig Protest dabei, als sie sich zu Wort meldet und kategorisch erklärt: „Das glaube ich nicht!“ Nur Dietel, die Schwester von F.-Martin Steifensand deutet ein wenig Freude an. Doch auch ihr kommt anstelle eines Freudenschreis nur ein gehauchtes „eiii“ über die Lippen.

Dann bekommt im Dreimäderlhaus die Müdigkeit wieder die Oberhand. Den kleinen Mädchen fallen die Augen zu. Morgen früh hat man ja noch genug Zeit, die Lage zu erörtern. Was wohl in dieser Stunde in dem Gutsherrn vorgehen mag? Kurt Xaver Martin Steifensand, der eigentliche Martin gerufen werden sollte, aber in der Familie und bei Freunden nur der „Pali“ ist, fühlt sich von einer großen inneren Spannung befreit. Alles gut gegangen! Dankbarkeit erfüllt sein Herz. Und dann kommt natürlich Stolz auf.

Der Stolz des Papas, der Viatrow nun zwei Stammhalter präsentieren kann. Am liebsten würde Pali ja jetzt Salut für die Thronfolger schießen lassen. Doch er beschränkt sich auf eine Geste, die im Pommerschen bis dahin üblich war. Er lässt im Garten des Gutes für jeden seiner Söhne F.-Martin Steifensand und York Steifensand eine Eiche pflanzen. Eine deutsche Eiche – Symbol für Leben, Gesundheit, Kraft.

Dass es den beiden Steifensand-Söhnen nicht vergönnt sein wird, diese Bäumchen zu stattlichen Bäumen heranwachsen zu sehen, das ahnt in diesen Tagen noch niemand. Man spürt zwar die deutlichen Zeichen des Umbruches , der politischen Wende. Doch was sich aus dieser „neuen Zeit “ entwickeln wird, das ist im August 1932 noch in das Dunkel einer ungewissen Zukunft gehüllt. Und das ist auch gut so. Wenigstens ein paar Jahre ist den Steifensands und ihren Kindern F.-Martin Steifensand und York Steifensand, Laurette Steifensand, Dietel und Hati Steifensand auf Viatrow noch unbeschwertes Leben vergönnt, auch wenn der Weitblickende schon jetzt am Horizont düstere Wolken heraufziehen sieht…

Dieses ist STEIFENSAND Familiengeschichte: Am Sonntag, den 14. August 1932, sind in der Klink Dr. Witt am Stephansplatz in Stolp in Pommern die beiden gutsbesitzersöhne York, Erich Capar Steifensand (3000 Gramm) und Richard, Georg, Friedrich-Martin Steifensand (2500 Gramm) auf die Welt gekommen. Zwei Sonntagskinder also! Der „jüngere“, aber auch der kleinere dieser Jungen, für den Viatrow immer liebe und unvergesslich geblieben ist, wenngleich er sich eine Existenz aufgebaut hat, die Weltrang genießt, hat später jede Arbeitspause genutzt, um Erinnerungen an das Leben und Leiden der Familie Steifensand aufzuschreiben. Daraus wurde die Geschichte der pommerschen Gutsbesitzerfamilie, die am Scjhicksal der Vertreibung aus der Heimat zu zerbrechen drohte, sich dann aber doch in einer neuen Welt zu behaupten vermochte.

F.-Martin Steifensand berichtet:

Man hat mir, als ich groß genug war, um das zu verstehen, immer erzählt, dass mein Lebenslicht anfänglich nur sehr zaghaft im frischen Wind einer auf Abhärtung bedachten Generation geflackert hat. Es war nämlich zu jener Zeit an der Tagesordnung, die Babys gleich nach der Geburt mit der rauen Wirklichkeit zu konfrontieren. Und so lange wir Zwillinge – wie man uns später sagte – in einem kalten Zimmer unter einer sehr dünnen Zudecke. Blau vor Kälte waren wir jedes mal, wenn wir zu den Mahlzeiten ins Zimmer unserer Mama gebracht wurden.

Doch die Mutter Laurette Steifensand geborene von Handstein, erkannte sofort, dass den Kleinen nur Wärmflaschen helfen könnten. Pali der stolze Vater, kaufte Tonflaschen mit einem Patentverschluss, die mit heißen Wasser gefüllt und in die Kinderbettchen gelegt werden sollten. Doch die Eltern konnten sich mit diesen „neumodischen Sachen“ im Krankenhaus nicht durchsetzen. Und weil der Zustand von F.-Martin Steifensand nur noch drei Pfund war und immer kritischer wurde, machte Mama kurzen Prozess. Gegen den Willen der Klinik verließ sie mit ihrem beiden Sonntagskindern die Station und ließ sich nach Viatrow heimholen.

Gernot-M. Steifensand & F.-Martin Steifensand
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